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ERKRANKUNGEN UND THERAPIEN - AMYOTROPHE LATERALSKLEROSE (ALS)
Die
Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine degenerative Erkrankung
des motorischen Nervensystems. Es gibt verschiedene Synonyme, die ebenfalls in
der Literatur verwendet werden: Amyotrophische Lateralsklerose , Myatrophe
Lateralsklerose, englisch auch Motor Neuron Disease oder nach dem
Erstbeschreiber Jean-Martin-Charcot auch Charcot-Krankheit.
Was ist
eine ALS? Im
Rahmen der Erkrankung kommt es zu einer fortschreitenden und nicht wieder herstellbaren
Schädigung der Nervenzellen, die für die Muskelbewegungen zuständig sind. Diese
Nervenzellen werden auch Motoneurone genannt. Es können die so genannten ersten
Motorneurone in der Hirnrinde, aber auch die als zweiten Motorneurone
bezeichneten Vorderhornzellen des Rückenmarks betroffen seien. Jährlich treten
pro 100.000 Einwohner etwa zwei Neuerkrankungen auf. In einer Bevölkerung von
100.000 Einwohnern sind zwischen 3 und 8 Menschen erkrankt. Die meisten
Erkankungen treten zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr auf. Männer sind von der
Erkrankung etwas häufiger betroffen als Frauen.
Welche
Beschwerden treten auf? Die Beschwerden der Betroffenen können sich zuerst unterschiedlich
bemerkbar machen. Häufig werden zunächst fortschreitende Lähmungen (Paresen)
bemerkt. Es können aber auch Sprachstörungen oder Schluckstörungen als erste
Symptome auftreten. Im Verlauf der Erkrankung wird dann ein Muskelschwund
(Atrophie) beobachtet. In jeweils 40% der Fälle wird zunächst eine
Einschränkung im Bereich der oberen oder unteren Extremitäten bemerkt. In etwas
20% der Fälle tritt zu Beginn der Erkrankung eine Sprechstörung auf. Der Neurologe
kann bei der klinischen Untersuchung häufig eine Reflexsteigerung feststellen.
Außerdem kann sich eine Zunahme der Muskelspannung einstellen, die sich mit
Muskelkrämpfen (Crampi) oder in Form einer Steifigkeit der Extremitäten
(Spastik) darstellt. Feine Muskelbewegungen (Faszikulationen) sind ein
typisches Merkmal der ALS, können aber auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Das
Empfinden von Berührung, Schmerz und Temperatur (Sensibilität) ist ungestört. Ebenso
ist die Gedächtnisfunktion vom Krankheitsprozess in der Regel nicht betroffen.
Wie
wird die Diagnose gestellt? Die wesentlichen Hinweise zur Diagnose einer ALS ergeben sich durch die
neurologische Untersuchung. Der Neurologe ist in der Lage durch eine
Untersuchung und die charakteristischen Beschwerden den klinischen Verdacht auf
eine ALS zu äußern. Eine elektrophysiologische Untersuchung mit EMG kann
typische Veränderungen zeigten. Die klinische Diagnose der ALS wird durch eine
Zusatz- und Ausschlussdiagnostik ergänzt. Ziel dieser Diagnostik ist der
Ausschluss anderer Krankheiten, die Ähnlichkeiten zur ALS aufweisen können. Zu
diesen Untersuchungen gehören Laboruntersuchungen und im Einzelfall auch eine
Nervenwasserentnahme oder eine Muskelbiopsie. Einzelne Symptome des
Krankheitsbildes der ALS treten auch bei anderen neurologischen Erkrankungen
auf. Das betrifft jedoch nur einzelne Elemente der ALS, aber nicht das gesamte
Krankheitsbild. Diese Erkrankungen sind wesentlich seltener als die ALS und durch
die weiteren Untersuchungen zu unterscheiden. Die Abgrenzung von der ALS ist
besonders wichtig, weil die „ALS-ähnlichen“ Krankheiten oft besser zu behandeln
sind.
Welche
Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Obwohl
auf dem Gebiet der ALS viel geforscht wird, gehört die Erkrankung heute noch zu
den nicht heilbaren Krankheiten. Die Behandlung von Patienten mit ALS erfolgt
in einem interdisziplinären Team aus Neurologen, dem Hausarzt, Pneumologen und
Krankengymnasten, Logopäden, Ergotherapeuten sowie Pflegern.
Die am
Krankheitsmechanismus ansetzende medikamentöse Therapie erfolgt mit Riluzol. Riluzol
ist ein sogenannter Glutamat-Antagonist, der die Wirkung des Neurotransmitters
Glutamat an der Nervenzelle beeinflusst. In Studien hat sich gezeigt, daß durch
die Einnahme von Riluzol eine Verlängerung der Überlebenszeit (im Mittel um 3
Monate) erreichen lässt.
Die
symptomatische Therapie soll Komplikationen der Muskelschwäche vorbeugen und
die Lebensqualität der Betroffenen verbessen. Die im Verlauf der Erkrankung typischerweise
auftretenden Beschwerden und Komplikationen können durch verschiedene
therapeutische Maßnahmen behandelt werden. Wichtige Einsatzgebiete der
symptomatischen Therapie sind Schluckstörungen, Speichelfluss, Sprechstörungen,
Muskelkrämpfe, Schwäche der Atemmuskulatur sowie psychische Veränderungen wie
Depressionen oder Angstzustände.
Muskelkrämpfe
an einzelnen Muskeln sind ein häufiges, jedoch auch bei anderen Erkranungen
auftretendes Symptom. Die Beschwerden können ohne erkennbaren Auslöser aber
auch nach körperlicher Belastung, Schlafentzug, Kältereiz oder Alkoholkonsum
auftreten. Zur akuten Behandlung wird eine passive Dehnung des Muskels
empfohlen. Regelmäßiges körperliches Training kann die Beschwerden bessern. Wenn
Muskelkrämpfe sehr häufig auftreten können Medikamente wie zum Beispie
Magnesium, Chininsulfat oder Carbamazepin eingesetzt werden.
Durch
eine Schwäche der Schlundmuskulatur kommt es bei den Betroffenen im Verlauf der
Erkrankung zu einer Schluckstörung. Normalerweise gewährleistet der
Schluckvorgang, daß die gekaute Nahrung, Flüssigkeiten oder Speichel nicht in
die Atemwege gelangen. Ist der Schluckmechanismus durch Lähmungen gestört, kann
Flüssigkeit in die Lunge gelangen und dort zu Lungenentzündungen führen.
Häufiges Verschlucken und erschwerte Nahrungsaufnahme können auch zu einer
Gewichtsabnahme und mangelnder Flüssigkeitsaufnahme führen. Wenn deutliche
Schluckstörungen auftreten, wird eine Umstellung der Ernährung auf pürierte
Speisen und angedickte Flüssigkeiten empfohlen. Es können hochkalorische
Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt werden. Die Schlucktechnik kann durch eine
logpädische Behandlung verbessert werden. Bei weiter fortgeschrittener
Erkrankung reichen diese Maßnahmen meist nicht mehr aus. Um eine ausreichende
Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme zu gewährleisten wird dann häufig die Anlage
einer Ernährungssonde (PEG) empfohlen. Auch nach Anlage einer Ernährungssonde
ist eine zusätzliche normale Nahrungsaufnahme durch den Mund weiterhin möglich.
Normalerweise
liegt bei ALS-Patienten kein vermehrter Speichelfluss vor. Der Speichelverlust
aus dem Mund tritt als Folge der Schluckstörung auf und wird von den
Betroffenen als sehr belastend erlebt. Die Beschwerden sind häufig durch
Medikamente, die den Speichelfluß hemmen, gut behandelbar.
Die
zunehmende Schwäche der Zungen-, Mund- und Gaumenmuskulatur führt im Verlauf
der Erkrankung auch zu einer fortschreitenden Sprechstörung. Diese
Einschränkung im Kontakt mit der Umwelt ist für die Betroffenen und die
Angehörigen sehr belastend. Frühzeitig sollte daher eine logopädische
Behandlung erfolgen. Mit entsprechenden Übungen kann das Atemen und Sprechen
erleichtert und koordiniert werden. Ebenfalls frühzeitig sollten
Kommunikationshilfen verwendet werden.
Im
Verlauf der Erkrankung kommt es regelmäßig zu einer Schwäche der Atemmuskulatur
und damit zu einer Minderbelüftung der Lunge. Die frühen Zeichen einer
gestörten Atemfunktion sind Schlafstörungen, Müdigkeit während des Tages,
Konzentrationsstörungen und morgendliche Kopfschmerzen. In fortgeschrittenen
Fällen treten dann auch Unruhe und Luftnot auf. Durch Infektionen der Atemwege
kann sich die Funktion der Lunge noch weiter verschlechtern. Die zunehmende
Lähmung der Atemmuskulatur ist die wichtigste Ursache der begrenzten
Lebenserwartung bei ALS-Patienten. Die Möglichkeiten einer Beatmung sollten
frühzeitig im Krankheitsverlauf besprochen werden.
Die Behandlung von Depressionen,
Schlafstörungen und Angstzuständen sollte ebenfalls angestrebt werden. Ein depressives
Syndrom kann sich durch Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit und
Antriebsverminderung äußern und dies Lebensqualität der Betroffenen
einschränken. Die Behandlung kann medikamentös und/oder psychotherapeutisch erfolgen.
Eine medikamentöse antidepressive Medikation kann zum Beispiel mit
Amitriptylin, Sertalin, Fluoxetin oder Paroxetin begonnen werden. Zur
Behandlung von Schlafstörungen werden neben schlafhygienischen Maßnahmen auch
Medikamente wie zum Beispiel Zolpidem eingesetzt. Angstzustände können vor
allem bei Luftnot auftreten. Neben der Behandlung der zu Grunde liegenden
Ursache, zum Beispiel durch einen Lungenfacharzt, können auch Benzodiazepine
verordnet werden.
Links: www.meine-eigene-stimme.de (Software, die es ermöglicht, die eigene Stimme aufzunehmen und sie dann für einen Sprachgenerator zu nützen)
www.sandraschadek.de (erhielt den Grimme Online Award, Erfahrungsberichte einer Betroffenen mit nützlichen Links)